University of Heidelberg

Die Astronomin Dr. Elisabetta Caffau (LSW/ZAH) erhält den Ernst-Patzer-Preis

Weil der extrem lichtschwache Stern "SDSS J102915+172927" fast ausschließlich aus Wasserstoff und Helium besteht, dürfte es ihn eigentlich garnicht geben. Seine Entdeckung, die in einer Veröffentlichung von Dr. Elisabetta Caffau mit dem Titel "An extremely primitive star in the Galactic halo" veröffentlicht wurde, zwingt daher die Astrophysiker, ihre Vorstellungen über die Entstehung und Entwicklung von Sternen teilweise zu revidieren. Diese Publikation wurde mit einem der drei diesjährigen Ernst-Patzer-Preise für die besten wissenschaftlichen Veröffentlichungen junger Wissenschaftler des MPIA und ZAH ausgezeichnet.

Dr. Elisabetta Caffau, die an der Landessternwarte Königstuhl des Zentrums für Astronomie der Universität Heidelberg (ZAH) arbeitet, ist eine Expertin für das Modellieren von Sternatmosphären mit dem Ziel, deren chemischen Zusammensetzung so genau wie möglich zu bestimmen. Unter ihrer Leitung hatte ein Team europäischer Astronomen einen Stern ausfindig gemacht, der nach herkömmlichem astronomischen Verständnis gar nicht existieren dürfte, da dieser nahezu ausschließlich aus Wasserstoff und Helium besteht und nur winzige Spuren anderer Elemente enthält. Mit dieser ungewöhnlichen chemischen Zusammensetzung fällt der Stern, der aus der Frühzeit des Universums stammt, in eine Art "verbotene Zone" der gängigen Theorie der Sternentstehung, denn eigentlich hätter er gar nicht erst entstehen können.

In ihrer Publikation mit dem Titel "An extremely primitive star in the Galactic halo", die in der Fachzeitschrift NATURE erschien (siehe Caffau, E. et al., Nature 477, 67-69, 2011) analysiert Frau Dr. Caffau die Besonderheiten dieses Sterns und die Konsequenzen für unser Bild von der Entstehung extrem metallarmer Sterne (siehe Ein Stern, den es gar nicht geben dürfte). Dr. Elisabetta Caffau ist der erste Gliese Postdoctoral Fellow am ZAH. Diese Fellowship soll international herausragende junge WissenschaftlerInnen für einen mehrjährigen Forschungsaufenthalt am ZAH gewinnen und unterstützen.

Der Ernst-Patzer-Preis, den Frau Caffau für diese wichtige Entdeckung erhält, besteht aus einer Urkunde und einem Preisgeld von 2000 Euro. Das Patzerpreiskolloquium findet am Freitag, 2. Dezember 2011 um 15:15 Uhr im Hörsaal des Max-Planck-Instituts für Astronomie statt.
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